Nächste Station: Odense, Dänemark.
Vielleicht habt ihr ja schon davon gehört: es gibt da diesen Typen, er ist schon relativ alt und hat einen langen, weißen Bart. Anscheinend hat er außerdem eine ordentliche Wampe und versucht die meistens unter einem langen roten Mantel zu verstecken. Klappt aber nicht so ganz... jedenfalls wurde mir jetzt gesagt, dass dieser Typ am 24.12. mal vorbei schaut und man bekommt Geschenke von ihm. Echt cool eigentlich, Geschenke kann ich durchaus brauchen nachdem mich das Erasmusleben so ganz ohne jegliches Einkommen an den Rande des Ruins gebracht hat. Und anscheinend sehen das noch mehr Leute so. Hier bereiten sich nämlich alle schon auf die Ankuft dieses Typens vor. Die Dänen machen das richtig gut, Advent (wie schon in der 3. Klasse im Religionsunterricht bei Herrn Götz gelernt heißt das ja auch "Ankunft") in Odense ist super schön! Der Startschuss für den Advent fiel in diesem Jahr meiner Meinung nach am 25.11. Er fiel weiß auf schwarz, blieb auf dem Boden liegen und macht aus Odense bis heute eine traumhafte Schneelandschaft, die mir derzeit kombiniert mit Sonnenschein fast täglich Glücksmomente beschert, wenn ich aus dem Fenster schaue oder einen Spaziergang durch das Winterwunderland (in diesem Fall muss man dieses eigentlich ausgelutschte Wort benutzen) mache.
Höchstoffiziell wird die Adventszeit in Odense mit dem Anzünden der Lichter des großen Weihnachtsbaums am Rathaus begonnen. Man könnte jetzt denken das wäre ganz einfach "Stecker rein, Lichter an - Weihnachtszeit". Aber nein nein, ganz so simpel funktioniert das nicht. Hunderte Menschen, darunter etwa die Hälfte Kinder versammeln sich am Samstag vor dem 1. Advent auf dem Rathausplatz - es war so voll und der Baum war so groß, dass ich nicht wirklich sehen konnte, wer genau da redet und was da vorne alles passiert. Erahnen konnte ich eine Schar von Menschen mit Nikolausmützen, die wie ein Chor dastanden (aber nicht gesungen haben) und hören konnte ich eine donnernde Stimme, die immer wieder auf Dänisch alle dazu aufforderte den 'Julemand', also den Weihnachtsmann, zu rufen. So ging das bestimmt 20 Minuten lang, bis endlich auf der Leiter eines Feuerwehrautos -ja, da wurden offenbar keine Kosten und Mühen geschäut- der Herr im roten Kittel erschien, langsam nach oben bis zur Tannenbaumspitze manövriert wurde und der Countdown von Zehn runter gezählt wurde. Und dann: Stecker rein, Lichter an, kleiner Funken-Sprühregen auf der Tannenspitze - Weihnachtszeit.
Wie schön, dass diese Weihnachtsspektakel noch durch ein weiteres Highlight ergänzt wurde. Am selben Wochenende bekam ich nämlich Besuch von meiner lieben Schwester und ihrem Freund. So kamen sie in den Genuss den dänischen Julemand mit eigenen Augen zu sehen, und den Weihnachtsmarkt, den er in liebevoller Handarbeit aufgebaut hat, gleich mit. Allerdings ist so ein dänischer Weihnachtsmarkt kaum vergleichbar mit dem, was bei uns da so geboten wird. Wir wollten eine Tasse Glögg trinken. Gar nicht so einfach! Bei uns in Deutschland liegt die Problematik ja eher darin sich zunächste zwischen achthundertdreiundsiebzig Ständen und anschließend zwischen Glühwein weiß oder rot, Feuerzangenbowle, Hollunderglühwein, Lumumba, Kaffe-Baileys, warmem Apfelwein und Wasser zu entscheiden. In Odense liegt die Problematik darin den Glögg-Stand zu finden. Handgemachte Weihnachtsengel, Honig und Basteleien sind hier offenbar beliebter als warme, lustig-machende Getränke. Am Ende kamen wir aber doch zu unserem Glögg, schön authentisch mit Mandeln und Rosinen drin, die man -wie ich erst im Nachhinein gelernt habe- noch nicht mal mit essen muss, sondern die ohnehin nur fürs Aroma da sind.
Glögg zuhauf gab es auch am Dienstag. Das war nämlich ein besonders weihnachtlicher Tag. Um 14 Uhr hatte ich nämlich meine letztes Seminar in Scandinavian Culture. Auf dem offiziellen Lehrplan stand für diesen Tag "Hygge and the Art of Celebration". Und damit das nicht nur graue Theorie blieb, waren unsere zwei Dozenten so nett uns stilecht mit Rentierohren mit selbstgemachtem Glögg zu versorgen. Dazu gabs authentische dänische Weihnachtslieder, darunter "stille nat, hellige nat" (na, wer erkennts?) und ein Lied mit der Melodie von "meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad".
Hygge ist in Dänemark übrigens ganz besonders wichtig. Übersetzt heißt es eigentlich nur 'gemütlich', aber im Winter schreiben sich die Dänen ihre Gemütlichkeit ganz groß auf die Fahne und hygge is all around. Sie benutzen das Wort 'hygge' so gerne wie deutsche Jugendliche (angeblich) das Wort 'Niveaulimbo'. Schon im September hat man uns von der winterlichen Gemütlichkeit vorgeschwärmt und jetzt taucht 'Hygge' in jeder zweiten Werbung auf. Wir verstehen fast nichts auf Dänisch, aber Hygge, das haben wir jetzt verstanden.
Und Dienstag abend hatten wir unsere kleine Wichtel-Weihnachts-Feier - einer von vielen tollen Abenden mit vielen tollen Leuten!
Zum Abschluss gibts noch ein kleines dänisches Weihnachts-Leckerli, das ich ganz arg herzig finde und das ich (langsam muss ich sagen leider) einfach nicht mehr aus meinem Köpfchen kriege, seit ich es zum ersten Mal gehört habe. Wer also auf alten 50er-Jahre-Heimatfilm-Weihnachts--Kinder-Kitsch steht, der schaue sich das hier an:
hyggelige Grüße aus dem Hygge-Land
von eurer Schneelexandra