Nächste Station: Odense, Dänemark.
Jauchzen, jecke Dänen, Jubeltage - das J in J-Day könnte für so einiges stehen. Tut es aber nicht. Es steht für 'Julebryg', das bei den Dänen äußerst beliebte Weihnachtsbräu. J-Day ist der Tag im Jahr, an dem das Weihnachstbräu zurück kommt und findet immer am ersten Freitag im November statt. Und weil die Dänen ihr Julebryg heiß und innig lieben, wird der J-Day zum nationalen Fest- und Feiertag. Schon im Voraus wurde uns einiges versprochen, Dozenten berichteten von Studenten, die ganze Hausarbeiten über den J-Day geschrieben haben, in jeder Bar fand man Werbeplakate für den internationalen Weihnachtstrinktag und am Donnerstagabend entdeckten wir eine Countdown-Uhr, die die Minuten zählte bis endlich am Freitag, den 5. November um 20:59 Uhr das kostbare Bier zum Gedenken Jesu wieder ausgeschenkt wurde.
Seit 1990 gibt es den Julebryg-Tag und initiiert wird die ganze Geschichte von der zu Karlsberg gehörenden Tuborg-Brauerei. Ein großes Marketing-Event also, das von den Dänen nur allzu gerne aufgenommen wird, denn man muss die Feste ja feiern wie sie fallen. Wir waren auch überzeugt, trotz unserer schlechten Dänisch-Kenntnisse, auf den oben genannten Werbeplakaten gelesen zu haben, dass es von neun bis zehn in zahlreichen Bars und Kneipen kostenlose Kostproben von dem köstlichen Gerstensaft geben sollte (jetzt hab ich aber tief in die Stilfigurenkiste gegriffen). Also haben wir uns pünktlich auf den Weg gemacht um den uns zustehenden Anteil des Weihnachtsgetränks abzubekommen. Die Bier-Almosen stellten sich dann allerdings als etwas weniger großzügig heraus als gedacht. Statt Freibier für alle gab es ein in blaue Weihnachtstracht gehülltes Tuborg-Promotion-Team, das mit ca vier Kisten Bier durch Bars mit mehreren Hundert Leuten zog und den Menschen mit den stärksten Ellenbogen eine der begehrten blauen Flaschen überreichten. Immerhin haben wir auch ein paar schicke blaue Weihnachts(dänisch: Jul)-mützen abgestaubt. Und die haben sogar eine Blinkfunktion!
Wie sich das für eine Ladung deutscher Bier-Freunde gehört, haben wir den Abend stilecht in der "Heidis Bar" verbracht, die deutsch-österreichisch-schweizer Après-Ski-Bars in nichts nachsteht und auch nicht darauf verzichtet hat Dj Ötzi und Co im Musikprogramm unterzubringen. Sicher nichts für jeden Tag, aber zu diesem speziellen Bierfeiertag hat es gut gepasst, jedenfalls bis einem dann irgendwann zur späteren Stunde doch die Ohren geblutet haben (Ich grüße an dieser Stelle Herrn F. Bub, der jetzt sicher denkt "Ohrenbluten, bei Après-Ski-Liedern? Das macht mich jetzt aber stinksauer!"). Ach ja, das Juleybrg schmeckt übrigens meiner nicht besonders fachmännischen Meinung nach ganz nett... hat etwas mehr Aroma als die gewöhnlichen dänischen Biere, welches bei geübten Biertrinkern ja oft eher als mildes Hopfenwasser als als echtes Bier verpönt wird, das mir persönlich aber eigentlich ganz gut schmeckt. Zu diesem frühen Zeitpunkt also schon mal: Happy New Beer!
Eure Jul-exandra