Nächste Station: Odense, Dänemark.
Das ist es: das letzte Photo. Wenige Augenblicke später, am 18.09.2010 um 00:52 Uhr rutschte mir meine Kamera aus der Hand, knallte auf den harten Steinboden der 'Freitagsbar' der Universität von Odense und blieb reglos liegen. Was übrig blieb, war ein Photoapparat, der es einem aufgrund des verschwommenen Bildschirms ermöglicht nachzuempfinden wie Menschen mit Grauem Star die Welt sehen. Photos machen, das wird die Kamera allerdings nie mehr können.
Ein traumatisches Erlebnis! Obwohl mittlerweile bereits zwei Tage vergangen sind, bin ich noch immer nicht über den Verlust meiner Kamera hinweg. Zumal es in diesen beiden Tagen eine Vielzahl von festhaltenswerten Momenten gab! Ich war nämlich zusammen mit rund 80 Internationals auf einem 'Cottage Trip' in dem schönen Örtchen Dalby, ca 30 Kilometer von Odense entfernt. Der Begriff 'Cottage' ist offenbar sehr dehnbar, denn wir haben in Wahrheit nicht in einer Hütte übernachtete, sondern in einer Schule. Sinn und Zweck solcher Aktivitäten ist ja immer, dass man viele neue Leute kennen lernen soll. Und das hat gut geklappt. Wie sich das nämlich für so ein richtiges Abenteuer-Wochenende gehört, haben wir am Samstag in Kleingruppen à 9 Personenen eine vierstündige Wanderung gemacht, auf der wir unterwegs mehr oder weniger lustige Aufgaben lösen mussten. Und die Gegend war wahrlich ein Traum! Weite Felder und Wiesen, ca alle 500 Meter ein schönes dänisches Haus oder ein Gutshof und auf halber Strecke standen wir auf einmal am Meer. Ja, landschaftliche hat Dänemark wirklich etwas zu bieten, und das obwohl ich bisher ja noch nicht mal die Insel Fünen verlassen habe. Ganz schön windig war es da allerdings auch auf der Wanderung und danach musste ich feststellen, dass ich eine ganz schön rote Birne hatte. Und das obwohl die Sonne gar nicht so stark geschienen hat. In dem Zusammenhang habe ich ein neues Wort gelernt, dass mich begeistert: Windburned. "I got wind-burned, not sun-burned." Wikipedia erläutert dazu, dass man das so nennt, wenn eine schwache Sonneneinstrahlung durch den Wind verstärkt wird. Hoch interessant! Hamma wieder was gelernt.
Eine wirklich unterhaltsame Gruppenaufgabe war, dass wir uns in unseren Teams jeweils ein kleines Theaterstück ausdenken mussten. Ja, das klingt jetzt alles recht abgedroschen und Ferienlager-like, und vermutlich war es das auch, aber da die Leute alle wirklich cool und mit Spaß dabei waren, war diese Camp-Atmospähre für das Wochenende genau das richtige. Im Rahmen unseres äußerst kreativen Theaterstücks kam ich also in den Genuss, Cinderella zu spielen, die mit ihren zwei Stiefschwestern und zwei von den sieben Zwergen in eine Gruppentherapie geht, weil die Stiefschwestern mittlerweile festgestellt haben, dass Cinderella offenbar auf Crack ist und deshalb komische Phantasien hat - von Vögeln, die an ihrem Kleid herumnähen und von einer Fee, die ihre Mäuse in Pferde und einen Kürbis in eine Kutsche verwandelt. Ganz schön fertig, diese Cinderella, und dann verliert sie auch noch ständig ihre Schuhe! Wir hatten also viel Spaß und haben außerdem sogar den dritten Preis gewonnen, juchee.
Ansonsten war das Wochenende so, wie man das auch von einem Ersti-Wochenende in Stangenroth oder von Wolfhofwochenenden kennt, nur war das hier eben ein wenig größer. So gab es also einen 'echten' DJ mit 'echter' (und tatsächlich sehr beachtlicher) Lichtanlage, leckere Getränke, Massen-Lasagneessen am Abend, mächtige HotDogs als Mitternachtsschmauss, abspacken, möchtegern-tiefsinnige Unterhaltungen nachts um halbfünf, 3 Stunden Schlaf auf engem Raum, eine komische Französin, die so dicht war, dass sie sieben Männer 'abgeknutscht' hat und so weiter und so weiter.
Die kommende Woche werde ich also damit verbringen meine Erlebnisse in selbstgezeichneten Bildern festzuhalten um den Verlust meiner Kamera zu kompensieren. Dabei ist es mir sicherlich von Vorteil, dass ich in der 3. Klasse mal eine 'Eins' in Bildende Kunst hatte.
Bis bald, und dann hoffentlich wieder mit Photos im Gepäck!
Alexinderella, die crack-rauchende Malerin